Samstag, 10. September 2005

Besuch in Bethlehem

„Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda...“ (Matth. 2,6)

Nach der Fahrt mit dem öffentlichen Bus bis zum Checkpoint vom Grenzübergang nach Bethlehem trafen wir auf die neue Trennmauer - alle Ähnlichkeiten mit sonst bekannten Mauern sind rein zufällig!



Von der Grenze ging es per Taxi zur Geburtskirche - die wohl älteste Kirche im Heiligen Land (um 300 gebaut). Der Eingang ist deshalb so klein, weil man nicht mit dem Pferd hinein darf. Unter der Kirche findet man die Höhle (Stall) in der Jesus geboren wurde, ebenfalls eine Niesche in der Wand, die als Futterkrippe diente. Es war wohl so, dass Maria und Joseph bei ihren Verwandten untergebracht waren und zum Entbinden in den Stall gingen, da sonst kein weiterer seperater Raum in diesem Haus war.

In einem weiteren Höhlenteil lebte um 380 Hieronymus, der die Bibel ins Lateinische übersetzte und so die „Vulgata“ schuf.

Nach der Mittagspause ging es zu Beit al Liqa, einem Begegnungszentrum in Beit Jala. Das Haus wird von einem deutsch-palästinensischen Ehepaar geführt (die sich auf einer Bibelschule in Deutschland kennenlernten) und bietet Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Freizeit hier zu verbringen, anderen Menschen zu begegnen... Das Zentrum wurde während der zweiten Intifada unter schwierigsten Umständen mit Gottes Hilfe gebaut. Die Erzählungen über Geschichte und Gegenwart waren sehr bewegend.

Hier sehen wir den ersten Kinderspielplatz in ganz Beit Jala - also für 70.000 Kinder, der am Anfang von mehr als 150 Kindern gleichzeitig genutzt wurde. Der Bedarf ist riesig. Viele Mütter treffen sich hier auch, um einander zu begegnen und Zeit miteinander zu verbringen - es gibt kaum andere Orte dafür. Demnächst wird der noch im Bau befindliche Sportplatz eingeweiht. Außerdem gibt es einige Gärten, in denen viel unternommen werden kann. Ein Teil der Arbeit sind Sommercamps für mehrere Hundert Kinder und Jugendliche.

In der unteren Etage ist ein Kindergarten für 41 Kinder in 3 Gruppen untergebracht. Das pädagogische Programm ist bewußt und auch offiziell christlich, trotzdem wird er auch von muslimischen Familien genutzt.

Eine größere Aktion war die Verteilung von Geschenken von „Weihnachten im Schuhkarton“ an muslimische Familien. Die Verteilung fand mit Programm in mehreren Schulen statt.

Nach der „Ausreise“ aus Bethlehem waren wir zu Besuch bei der Versöhnungsarbeit „Musalaha“. Hier versuchen palästinensische Christen und messianische Juden die mentalen Barrieren, die ihre Völker trennen, durch Begegnung und gemeinsame Aktionen zu überwinden, unter andem durch Touren durch die Wüste, Konferenzen und Seminare, Gesprächsgruppen. Versöhnung wird möglich durch die persönliche Begegnung. Auch diese Berichte waren sehr anrührend(Katrin) und sehr interessant (Heiko)