Dieser Tag stand unter der Thematik "Das jüdische Jerusalem". Der Tag begann für uns an der Klagemauer, an der durch die zahlreichen Bar Mizwa Feiern eine fröhliche und ausgelassene Stimmung herrschte. Die Familien begleiteten ihre 12jährigen Söhne bei der ersten offiziellen Tora-Lesung. Bar Mizwa bedeutet religiöse Mündigkeit für die Jungen und ist ein bedeutender Anlass in ihrem Leben. Es war bewegend zu sehen, wie die Männer ausgelassen miteinander tanzten und jubelten, die Jungs auf ihren Schultern trugen, Süssigkeiten auf die Feiernden prasselten und die Frauen sich auf Zehenspitzen oder Stühle stellten, um einen Blick in den Männerbereich vor der Klagemauer zu erhaschen.

Danach brausten wir in drei Gruppen (sprich drei Taxis) nach Yad Vashem, der Holocaust Gedenkstätte. Solche Taxi-Fahrten sind immer eine Herausforderung, da jedes Mal ein erschwinglicher Fahrpreis ausgehandelt werden muss.
Karin Dengler begleitete uns in Yad Vashem als ausgezeichnete und äußerst kompetente Fachfrau. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug und trotz der tiefgreifenden, sehr guten Einführung blieben viele Fragen offen.
Die Weiterfahrt per Taxi brachte noch einiges an Aufregung mit sich. Eine Auseinandersetzung zwischen Taxi-Fahren führte uns hautnah den Konflikt und die dünnhäutige Atmosphäre im Land vor Augen.

Der Tag war von Guido sehr gut durchdacht und strukturiert, denn die nachfolgende Begegnung mit Ester Golan gab dem Holocaust ein sehr persönliches Gesicht. Im Wohnzimmer der 84jährigen Ester verbrachten wir den Nachmittag und liessen uns mit hineinnehmen in ein Leben, das von unglaublichen Gegensätzen geprägt ist. Durch einen Kindertransport nach England entkam sie dem Grauen des Holocaust, nicht wissend, dass sie dadurch ihre Eltern nicht mehr wiedersehen würde. Beide kamen in Konzentrationslagern um. Ihr Scharfsinn, ihre Offenheit, ihr Wissen, ihre Ehrlichkeit, ihr reges Interesse machten diesen Nachmittag zu einer tiefen Begegnung mit einer bemerkenswerten Frau. Und drum gleich noch ein paar Zitate Esters:
"Auschwitz ist kein jüdisches Problem.
Es ist das menschliche Problem.
Die Menschheit ist dort abgerutscht."
Auf die Frage nach Schuld und Verantwortung sagte Ester, dass die Schuld für die damaligen Taten nicht der heutigen Generation angelastet werden können. Jeder muss für seine eigenen Taten einstehen:
"Sich schämen heißt,
nicht die Verantwortung zu übernehmen."
"Warum soll ich dir
(Frage an uns) etwas verzeihen, was du nicht getan hast?"
Ein Spaziergang durch Jerusalem und ein leckerer, griechischer Salat bei Amigo Emil leiteten über zum Christus Treff Abend im Johanniter-Hospiz. Guido nahm uns mit hinein in das Thema: "Juden und Christen". Der Raum platzte fast aus den Nähten und man merkte, dass diese Thematik bei einigen ein innerliches Brodeln verursachte.
Danach fielen wir hundemüde
(was haben eigentlich Hunde mit Müdigkeit zu tun?) ins Bett.